MY CLARELLA

1. Liebe Clara, ich freue mich sehr, dass ich dich mit MyClarella als Teil unserer Female Founder Stories vorstellen darf. Erzähl gerne ein wenig über dich und dein Unternehmen.

Danke, dass ich hier dabei sein darf liebe Lisa. Ich bin Clara, 28 Jahre alt und Mama eines fast 2-Jährigen. Ursprünglich komme ich aus der Musikindustrie; ausgehend von der kreativen Seiten als Singer/Songwriter und DJane, habe ich aber letztendlich den Business-Weg eingeschlagen und Music Business an der Popakademie Baden Württemberg und am Columbia College Chicago studiert. Aktuell habe ich ein halbes Jurastudium mit Schwerpunkt Urheber- und Musikrecht hinter mir, unterbrochen durch die Schwangerschaft und Geburt meines Sohnes. Durch meine leider negativ geprägte Geburts- und Wochenbetterfahrung wurde ich zu MyClarella inspiriert, meinem zweiten Baby. 

MyClarella bietet werdenden und frisch gebackenen Mamas eine One-Stop-Solution für sinnvolle und würdevolle Produkte - von Schwangerschaft bis zum Wochenbett. Aktuell steht unser Wochenbett-Kit im Vordergrund, das war letztes Jahr tatsächlich das erste auf dem deutschen Markt, die Vision ist aber eine viel größere.

2. Ich finde deine Gründungsgeschichte wirklich wunderbar. Du hast durch deine eigene Erfahrung ein Problem erkannt und arbeitest jetzt daran, anderen Frauen fürs Wochenbett eine Lösung anzubieten. Als du dich dazu entschieden hast zu Gründen: wie hast du angefangen, was hast du zuerst gemacht?

Zunächst einmal hat mich der Gesamtzustand, dem Frauen im Wochenbett (und auch während der Geburt) ausgesetzt sind, total schockiert - trotz toller Hebammenbetreuung (ein Hallo an meine liebe Hebamme Julia an dieser Stelle) und Geburtsvorbereitungskurs. Ich bin also viel ins Gespräch gegangen mit anderen Mamas (und auch Nicht-Mamas) mit der Fragestellung, wie gut sich Mamas eigentlich auf die Zeit nach der Geburt vorbereitet gefühlt haben bzw. wie sehr kinderlose Frauen mit späterem Kinderwunsch über vor allem Geburt und das Wochenbett Bescheid wissen.

Hierbei wurde mir schnell klar, dass ich einen Nerv getroffen hatte. Ich habe mich also mit verschiedenen Standard-Produkten rund um Geburt und Wochenbett auseinandergesetzt (Netzunterhosen, das Einfrieren von Binden als Hilfe gegen Geburtsverletzungen, Plastikbecher zum Abspülen nach vaginaler Geburt weil kein Toilettenpapier verwendet werden soll usw.) und überlegt wie man diese Situationen und Produkte für Frauen einfacher, komfortabler und würdevoller gestalten kann. “Hands on” also Problemauswertung betrieben und entsprechende Lösungen geschaffen. Des Weiteren habe ich mich auch von nordamerikanischen Firmen inspirieren lassen - die sind hier nämlich schon um Einiges weiter was das Brechen der Tabus Geburt & Wochenbett angeht.

Die eigene Note habe ich aber durch meine eigene Erfahrung hinzugeben können - deswegen sind auch von vor allem Frauen gegründete Unternehmen so viel profitabler und nachhaltiger als oftmals von Männern. Frauen gründen öfter aus einem eigenen Problem heraus, Männer schöpfen Motivation zum Gründen aus wirtschaftlichen Chancen, egal ob sie einen direkten Bezug dazu haben. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

3. Was macht dir am Gründen bisher am meisten Spaß?

Ganz klar, man muss dafür gemacht sein: Für mich waren schon immer Dinge wie Spontanität, Kreativität, Freiheit und Flexibilität viel wichtiger als Sicherheit, Routine oder Struktur. Natürlich braucht es auch beim Gründen viel Struktur und auch eine gewisse Routine ist hilfreich, aber meine eigene Chefin zu sein, niemanden um Urlaub bitten zu müssen, selbst entscheiden zu können wie, wo und wann ich effektiv und produktiv arbeiten kann - das ist für mich purer Luxus. Gerade jetzt mit Kind ist die Flexibilität total schön und wichtiger denn je geworden.

Natürlich ist dieser Luxus hart verdient und kostet mich auch jede Menge Disziplin, lange Nächte vorm Laptop und das Zurückstellen von sozialen Aktivitäten (was ja in der aktuellen Lage aber sehr einfach ist).

4. Neben deinem Online-Shop möchtest du auch über das Wochenbett, die Zeit nach der Geburt aufklären. Leider ist dies oft noch ein Tabu-Thema. Wo siehst du hierbei deine größte Herausforderung?

Vorneweg möchte sagen, dass alle Hebammen denen ich begegnet bin tolle Aufklärungsarbeit leisten, denn das ist ja genau der Job von Hebammen: Die umfassende Vor- & Nachsorge einer Schwangeren über den Zeitraum bis auch übers Wochenbett hinaus, im Falle von Stillproblemen zum Beispiel. Das Problem ist also nicht die Arbeit der Hebammen selbst, sondern der immer gravierende Hebammenmangel - aufgrund der schlechten Vergütung von Staat & Krankenkassen. Immer weniger Frauen haben also Zugang zur Betreuung durch eine Hebamme und hierdurch bleibt die Aufklärungsarbeit natürlich auf der Strecke. Aktuell gibt es sogar Initiativen den Hebammenberuf zum immateriellen Kulturerbe zu erklären - um den Beruf zu schützen, aber daraus resultierend werdende Mütter zu schützen, uns, unsere Töchter und alle Frauen danach. Hebammen werden in der Kategorie Pflegekräfte oft übersehen - und gerade im letzten Jahr ist uns ja mal wieder heftig bewusst geworden, wie wichtig Pflegekräfte sind. Sie tragen uns durch die Coronakrise - und haben das auch schon davor getan, nur nicht immer so offensichtlich. Das größte Problem ist also - wie so oft - eine nicht vorhandene angemessene Vergütung. 

Zwei Punkte die uns bei MyClarella als direkte Herausforderung begegnen sind aber zum einen toxische Positivität rund ums Thema Mama werden und Mama sein (vorallem auf den sozialen Netzwerken), zum anderen aber auch die vielen kleinen Tabuthemen die in dem großen Wort Wochenbett stecken.

Mit toxischer Positivität meine ich das Verherrlichen des Mamaseins durch das ausgewählte Zeigen der Highlights und perfekten Fotos auf z.B. Instagram - das geht bei den perfekt inszenierten Schwangerschaftsshootings los und endet bei Bildunterschriften im Wochenbett wie “...aber am Ende macht das Kind alles wieder gut/ist es das alles wert/usw.”. Ich selbst habe vor der Geburt oft gehört, dass die Geburt sehr schmerzhaft sein wird aber dass der Moment, in dem ich mein Kind in den Armen halten werde, ALLES wieder gut machen wird. Dem war leider nicht so - und inzwischen weiß ich, dass ich hier kein Einzelfall bin, ganz im Gegenteil. Trotzdem soll es natürlich auch Raum geben für positive Schwangerschafts- & Geburtserfahrungen, diese geben ja auch Mut und nehmen Sorge und Zweifel.

Das zweite Problem sind wie gesagt die vielen kleinen Tabuthemen die im großen Tabuthema Wochenbett stecken: Inkontinenz nach der Geburt, postpartale Depression, die veränderte Beziehung zum Partner, Mental Load, Geburtstrauma und zahlreiche mehr. Wir tragen eben Schicht für die Schicht die Zwiebel ab - das kann dauern und wird es auch. 

"Gründen ist kein Sprint und hat keine Ziellinie. Hakst du ein To Do ab, taucht das nächste auf, hast du eine Idee im Kasten kommt dir als Gründer*in vermutlich schnell die nächste - verstehe das Gründen als eine Reise ohne Ziel und ohne zeitliches Limit."


5. Welche drei Tipps kannst du Gründerinnen mit auf den Weg geben, die eine Geschäftsidee haben, aber nicht genau wissen, wie sie anfangen sollen?

1) Überlege dir ganz genau welches Problem du hierbei löst und vor allem für wen. Je besser du das Problem und deine Kunden*innen kennst, umso besser wird deine Lösung sein - und entsprechend erfolgreicher das Geschäftsmodell, aber auch die Motivation. Geld macht nur begrenzt glücklich, was wirklich motiviert und antreibt ist wenn man Veränderungen schafft und sieht, sowie anderen Menschen hilft - das ist rein evolutionär sogar verankert.

2) Gründen ist kein Sprint und hat keine Ziellinie. Hakst du ein To Do ab, taucht das nächste auf, hast du eine Idee im Kasten kommt dir als Gründer*in vermutlich schnell die nächste - verstehe das Gründen als eine Reise ohne Ziel und ohne zeitliches Limit.

3) Ein weiterer Punkt: Halte deine Idee nicht zu sehr geheim, sondern gehe ins Gespräch mit potenziellen Kunden und Menschen, die dir helfen können. Grenze dich relativ früh als Individuum von der Idee ab - so machst du sie nur besser. Gründer*innen haben oft die Tendenz alles selbst machen zu wollen, ewig bis zur Perfektion am Produkt oder der Dienstleistung zu feilen, aber die Wahrheit ist, dass erst die Anwendung durch den Kunden das Produkt perfektionieren kann. Wenn du eine gute Lösung für ein Problem hast, dann raus damit und lieber unterwegs dran rumschrauben, verbessern und optimieren. 

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Zur Website: www.myclarella.com

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